März

 

Lesehunde

 

Was es nicht alles gibt! Da macht doch eine öffentliche Bücherei Reklame mit dem „Lesehund Ben.“ Nein, falsch geraten, auch der Hund kann nicht lesen. Und auch das Motto „Lies mit Ben“ ist etwas irreführend. Denn man soll auch mit dem Hund kein Leseduett bilden. Nein, der Hund hört nur zu! Er ist eben der „Lese-Therapie-Hund Ben“. Ihm können Grundschüler vorlesen, die eine Leseschwäche oder Angst vor dem Vorlesen haben. Wie heißt es doch in der Ankündigung? „Das Kind liest dem Hund vor, der geduldig zuhört, nicht unterbricht und keinerlei Kritik übt.“ Wie die Zuhörer bei einer Lesung. Kein Wunder, er versteht ja auch nichts und ist froh, wenn er in Ruhe gelassen wird. Nur muss man ihn wahrscheinlich vorher füttern und Gassi führen, damit er nicht unruhig wird. Und bellt. Denn dann ist natürlich vorbei, dass – wie heißt es da so schön – „Ängste und Hemmungen abgebaut“ werden. Denn da meint das Kind vielleicht, der Hund belle, weil ihm das Lesen nicht gefallen hat. Oder noch schlimmer. Er knurrt und winselt. Oder er dreht sich ab. Welch´ Schaden würde da die arme Kinderseele erleiden! Ein Leben lang würde das Kind nicht mehr lesen und wahrscheinlich jeden Hund treten, der ihm begegnet.  Ob damit ein Geschäft zu machen ist? Ich könnte ja mit meinem Dackel einmal vorsprechen, bzw. vorhören. Ob sie ihn dann nehmen? Ein bisschen skeptisch bin ich schon, denn die Besitzerin des Lesehund Ben ist eine „Pädagogische Fachkraft“ – bin ich das? Aber wenn das Voraussetzung ist? Kann man ja verstehen, mit unpädagogischen Hunden möchte niemand zu tun haben. Siehe die erwähnten furchtbaren Folgen.

 

Was aber auch zu bedenken wäre, ist, dass manche Kinder vielleicht gar keinem Hund vorlesen wollen, weil sei Hunde nicht leiden können oder sogar Angst vor ihnen haben. Die würde eventuell lieber der Lesekatze Muschi, dem Lesehamster Goldi, der Lesemaus Flitzi oder – was völlig problemlos wäre – dem Lesefisch Blubbs vorlesen. Ich habe mir schon überlegt, ob ich nicht einen Lesezoo aufmachen soll, das könnte eine Investition in die Zukunft sein. Ich würde dann mit dem Lesezoo über Land fahren, von Bücherei zu Bücherei, und alle Kinder von Legasthenie und Vorleseangst heilen und bekäme irgendwann das Bundesverdienstkreuz. Oder ich fange erst einmal klein an, und biete die Plüschtiere meiner Kinder als Lesetiere an – das würde natürlich jede Menge Unkosten sparen. Man darf natürlich nicht darauf hinweisen, dass es die Redensart gibt: „Ich lese gegen die Wand.“ Oder so ähnlich.