November

 

Mobilitätsprobleme

 

An einem Montagnachmittag verließ Herr M. den Baumarkt „Konstrukta“ und machte sich auf den Weg zu seinem Fahrzeug auf dem Parkplatz. Er öffnete den Kofferraum, legte die Raufasertapetenrolle und die Kleisterpackung hinein und setzte sich hinter das Lenkrad. Er ließ den Motor an und griff nach dem Schalthebel. Da bemerkte er, dass sich vor diesem, mitten im Fahrzeug, ein metallenes Rohr von ca. 20 cm Durchmesser befand, das sich offensichtlich nach unten, über den Fahrzeugboden hinaus erstreckte. Als er nach oben blickte, stellte er fest, dass dieses Rohr auch das Dach des Wagens durchstieß. Herr M. war konsterniert. Er stieg aus und erkannte nun, dass jenes Rohr einen der Lichtmasten darstellte, die in regelmäßigen Abständen an den Parkbuchten standen. Dieser Mast nun war nun um gute zwei Meter versetzt und hatte sein Auto quasi aufgespießt. Mit Verwunderung registrierte Herr M., dass der Mast sein Auto ohne jede Beschädigung durchdrungen hatte, das Blech des Dachs umschloss ihn ohne Abstand, kein Kratzer war zu bemerken, geradezu perfekt, als sei er Bestandteil seines Fahrzeugs. Herr M. blickte um sich. Da sah er unweit seines Stellplatzes einen Mercedes, der nicht auf den Rädern stand, sondern auf dem Dach akkurat in der Parkbucht lag und die vier Räder von sich streckte. Auch an diesem Fahrzeug war keine Beschädigung zu erkennen. Und ebenso verhielt es sich mit jenen zwei Fahrzeugen, von denen das eine schräg auf dem Heck des anderen lag, als wollten sie den Geschlechtsakt ausführen, und einem dritten, das nicht unweit davon auf der Seite lag. All dies machte ihm den Eindruck seltsamer Beiläufigkeit, ja beinahe von Normalität. Herr M. war sprachlos.

 

Herr M., ein durchaus realistisch denkender und jeden übersinnlichen Phänomenen gegenüber skeptischer Mann, schloss die Augen. Er zählte bis zehn und war voll Zuversicht, dass jene Wahrnehmung nur auf einer Täuschung – wie auch immer - beruhen könne. Also er jedoch die Augen öffnete, musste er feststellen, dass sich an der Situation nichts geändert hatte. „Mist!“, rief er halblaut. Da Herr M. jedoch weiterhin nicht an der Klarheit seines Verstandes zweifelte und sich nicht von Wahrnehmungsstörungen ins Bockshorn jagen lassen wollte, stieg wieder in seinen Wagen ein. Er ließ das Fahrzeug an, was reibungslos gelang. Herr M. legte den Rückwärtsgang ein und ließ die Kupplung kommen. Es passierte nichts. Der Motor heulte nicht auf, die Räder drehten nicht durch, das Auto rührte sich um keinen Millimeter. „Mach doch!“, murmelte Herr M, beinahe bettelnd. Der Motor lief weiter ruhig. Er gab noch einmal Gas – keine weitere Reaktion. Herr M. schaltete den Motor aus und dachte nach. Am wahrscheinlichsten schien es ihm, dass sich jemand einen Scherz erlaubte. Es gab ja solche Fernsehsendungen, in denen man mit Hilfe ungewöhnlicher Tricks angeblich witzige Situationen provozierte. Allerdings: Wie hätte man in der kurzen Zeit, die er im Baumarkt verbracht hatte, eine solche technische Meisterleistung vollbringen können? Herr M. streckte die Hand nach dem Mast in seinem Fahrzeug aus – das Metall fühlte sich kühl und glatt an. Herr M. beschloss, auszusteigen, sich unauffällig zu benehmen und sich nach einem Kamerateam umzusehen.

 

Es hatte sich nichts geändert. Auch die anderen Fahrzeuge waren noch in der Position, die sie vorher eingenommen hatten. Irgendwelche Verstecke, in den sich Kameraleute verbergen konnten, waren nicht zu bemerken. Herr M. wurde wütend. Da bemerkte er einen älteren Mann, der sich ihm, einen Einkaufswagen schiebend, näherte. Herr M. starrte ihn beinahe provozierend an, als dieser an ihm vorbeiging und dem übernächsten Parkplatz zustrebte. Herr M. war nahe daran, ihn anzusprechen, aber was hätte er sagen sollen? Die Befürchtung, sich vor laufender Kamera lächerlich zu machen, hielt ihn zusätzlich zurück. Er sah den Herrn auffordernd an, als dieser an seinem Parkplatz vorbeiging – doch außer, dass er Herrn M. beiläufig grüßte, zeigte er keinerlei sonstige Reaktion.

 

Bei Herrn M. steigerte sich das Gefühl wütender Hilflosigkeit. Er musste diesem Zustand ein Ende setzen. Sich immer wieder nach allen Seiten umblickend lief Herr M. Richtung Baumarkt. Dort musste er, was ihn noch gereizter machte, beim Informationsschalter anstehen. Trotzdem – überzeugt, dass man ihn hineinlegen wollte – versuchte er so geschickt wie möglich die Situation zu klären. „Ich habe ein Problem mit ihrem Parkplatz. Ich kann nicht wegfahren“, sagte er deshalb höflicher, als er es selbst es zu vermögen geglaubt hatte, zu dem jungen Mann am Informationsschalter. „Hat Sie jemand eingeparkt?“ „Das nicht, ich glaube Sie wissen warum.“ „Was soll ich wissen? Wenn Sie mir nicht sagen, wo das Problem liegt, kann ich Ihnen nicht helfen.“ Diesen Gefallen werde ich dir nicht tun, dachte Herr M. und sagte stattdessen. „Können Sie mit mir auf den Parkplatz gehen? Dann zeige ich es Ihnen.“ Widerwillig gab der junge Mann seinem Kollegen Bescheid und verließ mit Herrn M. das Gebäude. Als sich beide dem Fahrzeug M.s näherten, war alles wie gehabt. Herr M. war beinahe erleichtert, dass dies so war. Nun musste sich alles aufklären. Beide standen hinter dem Fahrzeug. Herr M. sagte nichts.

 

„Wo ist nun das Problem?“ Der Angestellte wandte sich an Herrn M. „Ja sehen sie denn nicht?“ Herr M. wies auf den Mast hin, der aus dem Autodach ragte. „Was meinen Sie?“ Die Frage klang ehrlich verblüfft. „Na, der Mast. Der Lichtmast, der in meinem Auto steht!“ Der Angestellte sah Herrn M. ungläubig an. „Welcher Mast?“ Herr M. näherte sich seinem Auto und klopfte mit der Faust auf das Metall. Es gab einen dumpfen, hohlen Klang. „Bitte, ich weiß nicht, was ich hier tun soll.“ Der Angestellte wurde zusehends unwilliger. Herr M. zog seinen Autoschlüssel heraus. „Könnten Sie bitte das Auto aus der Parklücke fahren?“ Nun würde es sich erweisen! „Wenn Sie die Verantwortung übernehmen. Für Schäden hafte ich nicht.“ Eine erstaunliche Antwort, dachte Herr M. Tatsächlich setzte sich der junge Mann hinter das Steuer, ließ den Wagen an, legte den Gang ein und fuhr so schnell aus dem Parkplatz, dass Herr M. den Vorgang kaum wahrnehmen konnte, obwohl er sich vorgenommen hatte, genau aufzupassen. Was war mit dem Mast geschehen? Sein Fahrzeug stand auf der Straße, der Lichtmast aber mitten auf dem Parkplatz, auf dem sein Auto noch vor ein paar Sekunden geparkt hatte. Der Angestellte stieg aus und übergab Herrn M. den Autoschlüssel. „Ich wünsche Ihnen noch einen guten Tag“, sagte er mit einem schnippischen Unterton. Herr M. war sprachlos. „Danke“, brachte er gerade noch heraus. Er setze sich in sein Fahrzeug, fuhr an den kopulierenden Fahrzeugen vorbei und verließ das Gelände des Baumarktes.

 

Er war komplett durcheinander. Etwas war mit ihm geschehen, was er sich nicht erklären konnte. Offensichtlich sah er Dinge, die es nicht gab. Er musste sich untersuchen lassen. Es stimmte etwas mit ihm nicht. Wurde er verrückt? Er wusste doch, wer er war, wo er war, er konnte Autofahren, er konnte überhaupt alles, was einem vernünftigen Menschen möglich war. Träumte er vielleicht? Er hielt an einem Parkplatz an und tat etwas, was ihm selbst lächerlich vorkam. Er zwickte sich in den Arm. Es tat deutlich weh.

 

Herr M. beschloss, sich nicht verrückt machen zu lassen. Alles würde, musste irgendwie gut werden. Er parkte aus und fuhr heimwärts. Vielleicht etwas vorsichtiger als sonst. Beinahe unbewusst spähte er links und rechts nach etwaigen ungewöhnlichen Ereignissen oder Vorgängen. Und tatsächlich gewahrte er, als er aus den Augenwinkeln rechts auf den Fahrradweg blickte, ein Fahrrad mit einem Fahrradanhänger, in dem sich auf engstem Raum acht erwachsene Personen gedrängt hatten, die ihm – obwohl sie sich doch auf dem Gefährt kaum halten hätten können - fröhlich zuwinkten. Ein Blick im Rückspiegel zeigte ihm, dass das Fahrrad von einem höchstens zehnjährigen Mädchen scheinbar mühelos gefahren wurde, und dies freihändig. Herr M. hatte nur noch einen Gedanken: nach Hause. So versuchte er auch den Polizisten zu ignorieren, der auf einem Bein auf der Ampel an der Kreuzung stand und beiden Armen seltsam herumruderte. Nur noch die erste Einmündung nach der Kreuzung, dann hatte er seine Straße erreicht und dann, dann waren es noch 50 Meter und er konnte sich in den sicheren Bereich seiner Wohnung zurückziehen. Dort würden ihn keine Halluzinationen heimsuchen – sein Verstand sagte ihm, dass es sich nur um solche handeln konnte.

 

Als er seine Straße einbog, sah er, dass die Straße gesperrt war. Ein rot-weißes Band war quer über die ganze Straße gespannt, dahinter war undeutlich ein großer Steinhaufen zu erkennen, der offensichtlich von dem dort stehenden Lastwagen abgeladen oder verloren worden war. In Herrn M. stieg Panik auf. Er musste in seine Wohnung, komme was da wolle. Kein eingebildetes Trugbild sollte ihn davon abhalten. Herr M. machte die Augen zu und gab Vollgas.

 

Das letzte, was Herr M. wahrnahm, war, wie sich der junge Mann aus dem Baumarkt über ihn beugte und mit trauriger Stimme sagte. „Ich habe es kommen sehen.“

Mobilitätsprobleme

 

An einem Montagnachmittag verließ Herr M. den Baumarkt „Konstrukta“ und machte sich auf den Weg zu seinem Fahrzeug auf dem Parkplatz. Er öffnete den Kofferraum, legte die Raufasertapetenrolle und die Kleisterpackung hinein und setzte sich hinter das Lenkrad. Er ließ den Motor an und griff nach dem Schalthebel. Da bemerkte er, dass sich vor diesem, mitten im Fahrzeug, ein metallenes Rohr von ca. 20 cm Durchmesser befand, das sich offensichtlich nach unten, über den Fahrzeugboden hinaus erstreckte. Als er nach oben blickte, stellte er fest, dass dieses Rohr auch das Dach des Wagens durchstieß. Herr M. war konsterniert. Er stieg aus und erkannte nun, dass jenes Rohr einen der Lichtmasten darstellte, die in regelmäßigen Abständen an den Parkbuchten standen. Dieser Mast nun war nun um gute zwei Meter versetzt und hatte sein Auto quasi aufgespießt. Mit Verwunderung registrierte Herr M., dass der Mast sein Auto ohne jede Beschädigung durchdrungen hatte, das Blech des Dachs umschloss ihn ohne Abstand, kein Kratzer war zu bemerken, geradezu perfekt, als sei er Bestandteil seines Fahrzeugs. Herr M. blickte um sich. Da sah er unweit seines Stellplatzes einen Mercedes, der nicht auf den Rädern stand, sondern auf dem Dach akkurat in der Parkbucht lag und die vier Räder von sich streckte. Auch an diesem Fahrzeug war keine Beschädigung zu erkennen. Und ebenso verhielt es sich mit jenen zwei Fahrzeugen, von denen das eine schräg auf dem Heck des anderen lag, als wollten sie den Geschlechtsakt ausführen, und einem dritten, das nicht unweit davon auf der Seite lag. All dies machte ihm den Eindruck seltsamer Beiläufigkeit, ja beinahe von Normalität. Herr M. war sprachlos.

 

Herr M., ein durchaus realistisch denkender und jeden übersinnlichen Phänomenen gegenüber skeptischer Mann, schloss die Augen. Er zählte bis zehn und war voll Zuversicht, dass jene Wahrnehmung nur auf einer Täuschung – wie auch immer - beruhen könne. Also er jedoch die Augen öffnete, musste er feststellen, dass sich an der Situation nichts geändert hatte. „Mist!“, rief er halblaut. Da Herr M. jedoch weiterhin nicht an der Klarheit seines Verstandes zweifelte und sich nicht von Wahrnehmungsstörungen ins Bockshorn jagen lassen wollte, stieg wieder in seinen Wagen ein. Er ließ das Fahrzeug an, was reibungslos gelang. Herr M. legte den Rückwärtsgang ein und ließ die Kupplung kommen. Es passierte nichts. Der Motor heulte nicht auf, die Räder drehten nicht durch, das Auto rührte sich um keinen Millimeter. „Mach doch!“, murmelte Herr M, beinahe bettelnd. Der Motor lief weiter ruhig. Er gab noch einmal Gas – keine weitere Reaktion. Herr M. schaltete den Motor aus und dachte nach. Am wahrscheinlichsten schien es ihm, dass sich jemand einen Scherz erlaubte. Es gab ja solche Fernsehsendungen, in denen man mit Hilfe ungewöhnlicher Tricks angeblich witzige Situationen provozierte. Allerdings: Wie hätte man in der kurzen Zeit, die er im Baumarkt verbracht hatte, eine solche technische Meisterleistung vollbringen können? Herr M. streckte die Hand nach dem Mast in seinem Fahrzeug aus – das Metall fühlte sich kühl und glatt an. Herr M. beschloss, auszusteigen, sich unauffällig zu benehmen und sich nach einem Kamerateam umzusehen.

 

Es hatte sich nichts geändert. Auch die anderen Fahrzeuge waren noch in der Position, die sie vorher eingenommen hatten. Irgendwelche Verstecke, in den sich Kameraleute verbergen konnten, waren nicht zu bemerken. Herr M. wurde wütend. Da bemerkte er einen älteren Mann, der sich ihm, einen Einkaufswagen schiebend, näherte. Herr M. starrte ihn beinahe provozierend an, als dieser an ihm vorbeiging und dem übernächsten Parkplatz zustrebte. Herr M. war nahe daran, ihn anzusprechen, aber was hätte er sagen sollen? Die Befürchtung, sich vor laufender Kamera lächerlich zu machen, hielt ihn zusätzlich zurück. Er sah den Herrn auffordernd an, als dieser an seinem Parkplatz vorbeiging – doch außer, dass er Herrn M. beiläufig grüßte, zeigte er keinerlei sonstige Reaktion.

 

Bei Herrn M. steigerte sich das Gefühl wütender Hilflosigkeit. Er musste diesem Zustand ein Ende setzen. Sich immer wieder nach allen Seiten umblickend lief Herr M. Richtung Baumarkt. Dort musste er, was ihn noch gereizter machte, beim Informationsschalter anstehen. Trotzdem – überzeugt, dass man ihn hineinlegen wollte – versuchte er so geschickt wie möglich die Situation zu klären. „Ich habe ein Problem mit ihrem Parkplatz. Ich kann nicht wegfahren“, sagte er deshalb höflicher, als er es selbst es zu vermögen geglaubt hatte, zu dem jungen Mann am Informationsschalter. „Hat Sie jemand eingeparkt?“ „Das nicht, ich glaube Sie wissen warum.“ „Was soll ich wissen? Wenn Sie mir nicht sagen, wo das Problem liegt, kann ich Ihnen nicht helfen.“ Diesen Gefallen werde ich dir nicht tun, dachte Herr M. und sagte stattdessen. „Können Sie mit mir auf den Parkplatz gehen? Dann zeige ich es Ihnen.“ Widerwillig gab der junge Mann seinem Kollegen Bescheid und verließ mit Herrn M. das Gebäude. Als sich beide dem Fahrzeug M.s näherten, war alles wie gehabt. Herr M. war beinahe erleichtert, dass dies so war. Nun musste sich alles aufklären. Beide standen hinter dem Fahrzeug. Herr M. sagte nichts.

 

„Wo ist nun das Problem?“ Der Angestellte wandte sich an Herrn M. „Ja sehen sie denn nicht?“ Herr M. wies auf den Mast hin, der aus dem Autodach ragte. „Was meinen Sie?“ Die Frage klang ehrlich verblüfft. „Na, der Mast. Der Lichtmast, der in meinem Auto steht!“ Der Angestellte sah Herrn M. ungläubig an. „Welcher Mast?“ Herr M. näherte sich seinem Auto und klopfte mit der Faust auf das Metall. Es gab einen dumpfen, hohlen Klang. „Bitte, ich weiß nicht, was ich hier tun soll.“ Der Angestellte wurde zusehends unwilliger. Herr M. zog seinen Autoschlüssel heraus. „Könnten Sie bitte das Auto aus der Parklücke fahren?“ Nun würde es sich erweisen! „Wenn Sie die Verantwortung übernehmen. Für Schäden hafte ich nicht.“ Eine erstaunliche Antwort, dachte Herr M. Tatsächlich setzte sich der junge Mann hinter das Steuer, ließ den Wagen an, legte den Gang ein und fuhr so schnell aus dem Parkplatz, dass Herr M. den Vorgang kaum wahrnehmen konnte, obwohl er sich vorgenommen hatte, genau aufzupassen. Was war mit dem Mast geschehen? Sein Fahrzeug stand auf der Straße, der Lichtmast aber mitten auf dem Parkplatz, auf dem sein Auto noch vor ein paar Sekunden geparkt hatte. Der Angestellte stieg aus und übergab Herrn M. den Autoschlüssel. „Ich wünsche Ihnen noch einen guten Tag“, sagte er mit einem schnippischen Unterton. Herr M. war sprachlos. „Danke“, brachte er gerade noch heraus. Er setze sich in sein Fahrzeug, fuhr an den kopulierenden Fahrzeugen vorbei und verließ das Gelände des Baumarktes.

 

Er war komplett durcheinander. Etwas war mit ihm geschehen, was er sich nicht erklären konnte. Offensichtlich sah er Dinge, die es nicht gab. Er musste sich untersuchen lassen. Es stimmte etwas mit ihm nicht. Wurde er verrückt? Er wusste doch, wer er war, wo er war, er konnte Autofahren, er konnte überhaupt alles, was einem vernünftigen Menschen möglich war. Träumte er vielleicht? Er hielt an einem Parkplatz an und tat etwas, was ihm selbst lächerlich vorkam. Er zwickte sich in den Arm. Es tat deutlich weh.

 

Herr M. beschloss, sich nicht verrückt machen zu lassen. Alles würde, musste irgendwie gut werden. Er parkte aus und fuhr heimwärts. Vielleicht etwas vorsichtiger als sonst. Beinahe unbewusst spähte er links und rechts nach etwaigen ungewöhnlichen Ereignissen oder Vorgängen. Und tatsächlich gewahrte er, als er aus den Augenwinkeln rechts auf den Fahrradweg blickte, ein Fahrrad mit einem Fahrradanhänger, in dem sich auf engstem Raum acht erwachsene Personen gedrängt hatten, die ihm – obwohl sie sich doch auf dem Gefährt kaum halten hätten können - fröhlich zuwinkten. Ein Blick im Rückspiegel zeigte ihm, dass das Fahrrad von einem höchstens zehnjährigen Mädchen scheinbar mühelos gefahren wurde, und dies freihändig. Herr M. hatte nur noch einen Gedanken: nach Hause. So versuchte er auch den Polizisten zu ignorieren, der auf einem Bein auf der Ampel an der Kreuzung stand und beiden Armen seltsam herumruderte. Nur noch die erste Einmündung nach der Kreuzung, dann hatte er seine Straße erreicht und dann, dann waren es noch 50 Meter und er konnte sich in den sicheren Bereich seiner Wohnung zurückziehen. Dort würden ihn keine Halluzinationen heimsuchen – sein Verstand sagte ihm, dass es sich nur um solche handeln konnte.

 

Als er seine Straße einbog, sah er, dass die Straße gesperrt war. Ein rot-weißes Band war quer über die ganze Straße gespannt, dahinter war undeutlich ein großer Steinhaufen zu erkennen, der offensichtlich von dem dort stehenden Lastwagen abgeladen oder verloren worden war. In Herrn M. stieg Panik auf. Er musste in seine Wohnung, komme was da wolle. Kein eingebildetes Trugbild sollte ihn davon abhalten. Herr M. machte die Augen zu und gab Vollgas.

 

Das letzte, was Herr M. wahrnahm, war, wie sich der junge Mann aus dem Baumarkt über ihn beugte und mit trauriger Stimme sagte. „Ich habe es kommen sehen.“