Verleihung des 100ten EhrenWert Preises der Stadt Nürnberg 1016

06.06.2016 in Nürnberg

 

aus: Seuß/Glaser: 100mal EhrenWert. Die Preisträger. Ausgezeichnete Beispiele ehrenamtlicher Arbeit. Nürnberg 2016. S. 206f.

 

 

Launiger Liebhaber von Mundart und Heimatgeschichte

 

Die Lachfalten um die Augen sind tief. Das lässt darauf schließen, dass Norbert Autenrieth einen ausgeprägten Sinn für Humor hat. Das spürt man auch, wenn man mit dem fast 66-Jährigen spricht. Seine Hände reden kräftig mit, untermauern die Worte, die von einer tiefen Stimme getragen werden. Bei aller Ernsthaftigkeit sitzt dem Rektor im Ruhestand unüberhörbar der Schalk im Nacken, wenn er davon erzählt, wie er zu all den Ehrenämtern gekommen ist. Auf eine pointierte Bemerkung oder einen Lacher muss man immer gefasst sein.

„Das eine ergab das andere“, erklärt Autenrieth mit Blick auf den Domino-Effekt, der seit über 30 Jahren im Gange sei. Sein Motto lautet: „Entweder etwas richtig aktiv oder gar nicht machen.“ Mit den Worten „Muss das jetzt auch noch sein“ habe seine Ehefrau Elisabeth einmal reagiert, als er einen weiteren Posten in einer Jury übernahm. Mitgetragen hat sie sein freiwilliges Engagement dennoch. Und ihren Mann, mit dem sie seit 46 Jahren verheiratet ist, letztlich auch für den EhrenWert-Preis vorgeschlagen.

„Eine gewisse literarische Ader“ habe er schon immer gehabt, sagt der geborene Nürnberger, der zuerst Erziehungswissenschaft für Volksschulen an der hiesigen EWF und später in Bamberg Volkskunde studierte. Als er 1991 über „Volkskundliche Inhalte in der Schule zwischen 1900 und 1945“ promovierte, hatte er schon erste ehrenamtliche Tätigkeiten hinter sich. Autenrieth war zum Beispiel Gründungsmitglied des Vereins „Roschtler Kulturzelt“ in Roßtal. Und nachdem er 1976 ein Haus für seine Familie in Cadolzburg gebaut hatte, dauerte es nicht allzu lange, bis er sich dort dem dortigen Heimatverein anschloss.

Seit mittlerweile 26 Jahren kümmert er sich um den „Bleistift“, wie das Vereinsblatt im handlichen DIN A5Format heißt, wo der Chef mit dem antiquiert anmutenden Titel des „Schriftleiters“ im Impressum ausgewiesen wird. An mehreren Ausstellungen wie „Der 1. Weltkrieg im Kinderzimmer“ oder „Osterbrunnen im Landkreis Fürth" war er beteiligt. Das Thema Schule lag nahe, weil er nicht nur sechs Jahre Assistent am Lehrstuhl für Schulpädagogik in Nürnberg war, sondern später auch die „progressive Beratungsstelle für Schule“ gründete. Den Landkreis Fürth lernte er durch seine Berufstätigkeit gut kennen. Konrektor war er sechs Jahre in Petersaurach, dann Rektor in Roßtal und Cadolzburg, wo er bis zur Pensionierung von 2004 bis 2012 arbeitete.

„Das eine ergab das andere“

Weil Autenrieth schon in den 1970er-Jahren angefangen hatte, in Mundart zu schreiben (zuerst politisch, vom Zeitgeist und der Friedensbewegung inspiriert, inzwischen gern mit ironischem Unterton bei seinen Alltagsbeobachtungen), wurde er von der Werkgemeinschaft Collegium Nürnberger Mundartdichter berufen. Für sie organisiert er ebenso Lesereihen wie für den Autoren Verband Franken e. V. Dessen Vereinsorgan „Literarisches Journal“, das alle zwei Jahre erscheint,  betreut er seit 2011. Ein weiteres Steckenpferd ist die jährlich erscheinende Anthologie der „ZimmerLese“.  Dieses Produkt rangiert bei dem Liebhaber von Mundart und Heimatgeschichte auf den persönlichen Favoriten seiner Ehrenamtsjobs knapp – obwohl  er betont, dass ihm hier eine Entscheidung sehr schwer falle.

Sich selbst bezeichnet Norbert Autenrieth als leidenschaftlichen Sammler. Entsprechend vollgepackt sind die Regale in seinem Arbeitszimmer. Ganz besonders hat es ihm der Struwwelpeter angetan, der „weltweit ein sozialgeschichtliches Phänomen seit 1846“ sei. Diesem geht er hartnäckig auf die Spur. 2006 war seine Wanderausstellung in Zirndorf zu sehen, bei der auch der englische Antinaziklassiker „Struwwelhitler“ von 1941 nicht fehlen durfte.

Aktiv ist der agile Pensionär, der drei erwachsene Kinder mit kreativen Berufen hat, zudem als ehrenamtlicher Rundgangleiter für den Verein „Geschichte Für Alle“. Zu den neueren Steckenpferden gehört ebenfalls sein satirisches Weihnachtsprogramm, das „Allmächd, Weihnachten kummd!“ heißt. Gern lässt sich der launige Rezitator bei seinen Lesungen musikalisch begleiten.

Abgesehen von Radfahren und Wohnmobilreisen beschäftigt sich der überzeugte Familienmensch abseits seiner Ehrenämter sehr gern mit seinen bis dato fünf Enkeln. Und da kann man sicher sein, dass der Opa viel zu lachen hat. Was die Falten um die Augen und den Schnauzbart garantiert weiter vertiefen wird.

Die weitere Entwicklung: Im Dezember 2016 erscheint zum 50-jährigen Bestehen des Collegiums Nürnberger Mundartdichter eine Anthologie, die er vorbereitet; im Wintersemester 2016/17 gibt es zudem an der Volkshochschule Cadolzburg eine Lesereihe von ihm. Und gern würde Norbert Autenrieth auch mal etwas mit Flüchtlingen machen.

Text: Jo Seuß

 

Landschreiber-Wettbewerb 28.05.2016 in Münster

 

1. Preis

beim 1. Fränkischen Literaturpreis: fränkisch - frech - frei

 

am 15.10.2016 in Sonnefeld-Gestungshausen

Iatros Verlag und Coburger Autorengruppe Schreibsand

 

für die Kurzgeschichte: Bescherung am Heiligen Abend oder die gute Tat des Georg Galster

In: Iatros Verlag/Coburger Autorengruppe Schreibsand (hg.): fränkisch-frech-frei. Geschichten aus Franken. Sonnefeld 2016